Sweet Harz of mine

Erst als verhext verleumdet, dann von der Mauer geteilt, später als Ödnis in der Mitte Deutschlands verschrien — der Harz, einstmals ein mondänes Kurgebiet, hat ein Image-Problem. Doch damit soll jetzt Schluss sein: Die Harzer schlagen zurück und bringen Selbstbewusstsein und Region auf Vordermann. Wir schauten uns um.

TEXT ALFRED RINALDI / FOTOS STEFFEN JAHN

Irgendwo zwischen Göttingen und Magdeburg, im Dreiländereck von Niedersachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen, ruft das Abenteuer. Da liegt ein Land von undurchdringlichen Wäldern, verwunschenen Bergen, tiefen Schluchten, majestätischen Talsperren und malerischen Ortschaften. Schon Johann Wolfgang von Goethe und Heinrich Heine zog es immer wieder in die kleine Wildnis zurück, und auch wir wollen heute unseren nagelneuen Mazda CX-5 weitab von ausgetre– tenen Pfaden Richtung Deutschlands bestgehütestes Geheimnis steuern: in den Harz.

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Lange vor dem Zeitalter der Billigflieger war das Harzer Mittelgebirge bereits ein begehrtes Ausflugsziel: So war zum Beispiel das Städtchen Schierke so mondän, dass es als „St. Moritz des Nordens” bekannt war. Doch dann kam die Teilung Deutschlands: Quer durch den Harz verlief die Grenze, und das ehemalige Herzstück des Landes wurde zum Grenzgebiet. Als dann aus dem geteilten Deutschland wieder ein Land wurde, hatte der Harz den Trend verpasst und muss nun wie viele andere ländliche Regionen mit der Landflucht kämpfen.

Melanie Funke, Elke Roch und Dietrich Kühne ficht das nicht an. Die drei Medienprofis empfangen uns in ihrem hippen Osteroder Büro, das auch in Berlin nicht fehl am Platze wäre. An der Wand hängen frech aufgemachte Poster, auf den Computermonitoren flimmern die Layouts der nächsten Kampagne, eine legere Sitzgruppe lädt zum Loungen und Brainstormen ein. Wir befinden uns in der Schaltzentrale von harzkind.de, einer Initiative, die mit Witz und Einfallsreichtum dem Harz seinen abhanden gekommenen Nationalstolz wieder einflößt.

Die Rache der beigen Hosen
Angefangen hat alles mit einem Zeitungsartikel, in dem Osterode als sterbende Stadt beschrieben wurde, die nurmehr von Rentnern in beigen Hosen bewohnt würde.

„Da haben wir uns so aufgeregt”, erinnert sich Elke, „dass wir gesagt haben, liebe Harzer, wie lange wollt ihr euch noch anhören, dass die Journalisten euch in Grund und Boden schreiben? Denn alle, die hier wohnen, sagen: ,Wir haben Arbeitsplätze, wir können hier günstig wohnen, wir sind in der Nähe der Natur, wir haben tolle Freizeitmöglichkeiten. Warum spricht davon eigentlich keiner?’”

Melanie nimmt den Faden auf. „Da haben wir uns gesagt, wir sind alle Harzkinder und kreative Medienleute, lass uns mal was Lustiges ausdenken. Und daraus ist die Beige- Hosen-Kampagne entstanden, bei der wir alle Harzkinder über Facebook dazu aufgerufen haben, in beigen Hosen zu zeigen, wie viel Spaß man im Harz haben kann.”

Die Aktion war ein voller Erfolg, das Medienecho deutschlandweit. Es war die Initialzündung für einen Online-Shop, harzkind.de, und einen Event-Veranstalter, harzlandung.de. Noch dazu ersonnen die Harzkinder fette-betten.de, eine Kampagne, die auf stylishe Unterkünfte in der Region aufmerksam macht. Die Anerkennung blieb nicht aus: Sie wurden als „Kreativpioniere Niedersachsen” ausgezeichnet und gewannen den Innovationspreis der Stadt Göttingen.

Inzwischen sei der Harz so stark im Kommen, dass der Landstrich „das neue Sylt sei”, wie Dietrich Kühne keck behauptet. „Zu uns ziehen vor allem Holländer, die sich darüber beklagen, dass es in den Niederlanden kein Grün mehr gäbe”, meint er zufrieden. „Denn die Immobilienpreise sind hier noch sehr günstig.”

Auch die Wirtschaft hat an der Image-Arbeit Interesse, denn statt Arbeitslosigkeit herrscht hier vielerorts Fachkräftemangel. Darüber, ob dem Team wohl jemals die Ideen ausgehen, muss man sich keine Sorgen machen: Per Wettbewerb wurde ein Harzer Nationalgericht gekürt, der „Wilde Stinker” (eine Wildcurrywurst mit Kräutern und Harzer Käse), und auch eine App ist in Arbeit.

Wir verabschieden uns von den einfallsreichen Lokalpatrioten und machen uns auf über die Berge in den östlichen Teil der Region. Dem quirligen Mazda CX-5 mit seinem dynamischen Fahrverhalten bereitet die abwechslungsreiche Berg- und Talfahrt spürbar Vergnügen. Schon auf der Autobahn hat der SUV seine Stärken ausspielen können — Stichwort Spurassistent und Active Cruise Control —, doch nun besticht er mit einer temperamentvollen Kurvenfreudigkeit, die die Verwandschaft zum Mazda MX-5 eindeutig erkennen lässt.

Die zwei von der Talsperre
Unvermittelt zieht Nebel auf. Urplötzlich wirkt der Wald wie verwunschen, und es nimmt kaum wunder, dass der mittelalterliche Aberglaube die Legende ersann, der Landstrich rund um den Brocken herum sei von Hexen heimgesucht. Mit Hexenwerk hat unser nächstes Ziel zwar nichts zu tun. Allerdings wird uns die Megaswing von Harzdrenalin ein ähnliches Maß an Furcht und Schrecken einjagen. Über der Rappbodetalsperre haben sich die Brüder Maik und Stefan Berke — auch sie selbstverständlich hier geboren — einen Traum erfüllt: Hoch über dem Stausee erstreckt sich eine 483 Meter lange Seilh.ngebrücke, zur Zeit ihrer Fertigstellung die längste der Welt. Wer das Abenteuer sucht, findet es hier.

Auf einer Mega-Zipline (der längsten Europas) saust man mit bis zu 80 Sachen über das Wasser. Besonders Unerschrockene holen sich ihren Kick auf der Giga-Swing: Dabei fällt man von der Brücke steil in die Tiefe, um einem Pendel gleich hin- und herzubaumeln.

„Die Idee kam uns auf einer stundenlangen Autofahrt”, erzählt Stefan Berke. „Wir hatten vor, uns im Harz mit einem Freizeitangebot selbstständig zu machen, aber wir wollten nicht diesen hier so weit verbreiteten Wandertourismus. Stattdessen wollten wir Action reinbringen.”

Die Brüder waren schon lange Neuseeland-Fans gewesen und hatten im Internet gesehen, was es dort für ein Angebot gibt: von Ziplines und Megaswings zu Schnellbooten bis hin zu Base-Jumping. Bis zum Erfolg war es allerdings ein langer Weg. Die Ausgaben waren hoch, die Bürokratie langsam, auch beim Einkommen Fehlanzeige.

„Zwischenzeitlich war es so klamm, dass ich sogar mein Auto und meine Gitarrensammlung verkaufen musste”, erinnert sich Stefan. Doch ausgerechnet ihr Bankmanager ermutigte sie immer wieder dazu weiterzumachen. Am Schluss hat sich der lange Atem gelohnt: Harzdrenalin ist inzwischen so erfolgreich, dass demnächst der Parkplatz für die Besucher aus aller Welt erweitert werden soll. Auch eine „schicke Gastronomie” soll kommen — den Brüdern schwebt ein gehobenes Bankett auf der Brücke vor, hoch über dem See bei Sonnenuntergang. „Für die Kellner eine ganz neue Herausforderung”, schmunzelt Stefan. Ob es da oben auch den „Wilden Stinker“ geben wird?

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